Taijiquan
Taijiquan (auch Tai-Ji-Quan, früher Tai Chi Chuan oder umgangssprachlich Tai Chi genannt) stammt aus China und ist eine traditionelle Methode der physischen und mentalen Schulung, und definiert sich über die drei Eckpunkte "Kampfkunst, Meditation, Gesundheit". Taijiquan setzt sich aus Taiji und Chuan zusammen. Taiji bedeutet "Das höchste Letzte" oder auch Dao, das Absolute; Quan bedeutet Faust oder Hand. Metaphorisch beschreibt es also das Einswerden mit dem Dao durch die Faust.
Hier im Westen ist das Taijiquan auch als "Schattenboxen" bekannt und entstammt den Selbstverteidigungskünsten, die unter dem Oberbegriff Wu Shu bzw. Kung Fu zusammengefasst werden. Es gibt im Taijiquan eine Vielzahl an Stilrichtungen mit unterschiedlichen Formen. Die Stile gründen in der jeweiligen Herkunftsfamilie (Yang, Chen, Wu, Sun etc.), welche sich wiederum in unterschiedliche Formen gliedern (Waffenform, Fächerform u. a.). Am weitesten verbreitet sind hierbei der Yang-Stil und der Chen-Stil.
Zusammenfassend dient Taijiquan der Persönlichkeitsentwicklung und Gesunderhaltung, und ist zugleich Meditation in Bewegung. Auch wenn der Kampfkunst-Aspekt im Taijiquan - primär hier im Westen - eher in den Hintergrund getreten ist, ist dieser zum Verständnis und der Umsetzung der Stile & Formen unverzichtbar und wird daher in den Grundlagen vermittelt.
Warum Taijiquan? Aspekte ganzheitlicher Gesundheit
Das "Einswerden mit dem Dao durch die Faust": Taijiquan enthält die Erfahrungen und Grundgedanken des Daoismus und hat sich neben und mit den darin enthaltenen meditativen Praktiken entwickelt. Taijiquan als Übungssystem strebt daher ein umfassendes Gleichgewicht zwischen "Erde, Mensch und Himmel", eine umfassende Harmonisierung und Zentrierung des Menschen auf seine eigene Mitte hin, das Herstellen einer Einheit von Körper, Geist und Seele an, um das Dao erfahren zu können. Elementarer Bestandteil ist dabei das Qi, die (Lebens-) Energie, die es gilt zum Fließen zu bringen, um diese Einheit - und somit Gesundheit - herstellen zu können. Dazu nutzt Taijiquan das Nei-Jia-Quan, die Schule der inneren Kampfkünste, und ruhige, weiche und fließende Bewegungen nach dem Yin-Yang-Prinzip.
Taijiquan wirkt auf den Übenden beruhigend, entspannend, erheiternd und erfrischend zugleich. Regelmäßiges Üben führt zu mehr Selbst-bewusst-Sein, stärkt die Selbstheilungskräfte des Organismus, baut Stress ab und löst Verspannungen, wobei der gesamte physische Bewegungsapparat durchgearbeitet und geschmeidig gemacht wird. Dadurch wird die Mobilität und Koordinationsfähigkeit nachhaltig verbessert, der Gleichgewichtssinn geschult und die Vitalität gesteigert. Weiterhin vertieft Taijiquan die Atmung und wirkt sich positiv auf Herz und Kreislauf aus. Taijiquan bereitet den Weg für innere Erfahrungen, sodass Nervosität abgebaut, Blockaden und festgefahrene Denkstrukturen gelöst werden. Der Geist wird ruhig und die eigene Lebensphilosophie verändert sich in Richtung Gelassenheit, Achtsamkeit und innerem Frieden.


Die drei Eckpfeiler des Taijiquan im Überblick: Kampfkunst, Meditation & Gesundheit
Taijiquan zählt zu den sog. "Inneren Kampfkünsten" (Nei-Jia-Quan - innere Schule). Im Gegensatz zu den "Äußeren Kampfkünsten" (Wai-Jia-Quan - äußere Schule) legt das Nei-Jia-Quan seinen Fokus auf das Training und die Mobilisierung der inneren Kraft (Nei Jing) und langsame Bewegungen, und versucht dabei drei bestimmte Angriffs- bzw. Verteidigungsprinzipien umzusetzen. Dabei soll das Starke und Harte durch das Schwache und Weiche überwunden werden (das weiche Wasser höhlt den Stein). Weiterhin wird versucht, sich dem Stil des Gegners anzupassen und ihn mit "seinen eigenen Waffen" zu schlagen. Eingesetzt werden dafür strategische Stellungen, eine günstige Körperhaltung sowie das Ausnutzen der gegnerischen Körperkraft.
Charakteristisch für das Taijiquan sind weiche, fließende und runde Bewegungen, eine rhythmische, ruhige und zugleich sanfte Art der Ausführung sowie die Harmonie der einzelnen Bewegungsabläufe. Der ständige Wechsel von Zuständen (mental wie physisch) und das Zusammenspiel von Ruhe und Aktion sind dabei ebenfalls kennzeichnend. Weiterhin sind die Bewegungsformen und -sequenzen (auch Folgen oder Figuren genannt) festgelegt und werden harmonisch in einer Art Choreographie zusammengefügt, die imaginär geführt und mit einer natürlichen, gleichmäßigen und ruhigen Atmung begleitet wird.
Taijiquan ist kein Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), obwohl dies oft vermutet oder fälschlicher Weise postuliert wird. Dennoch entwickelt und erhält es nach Auffassung der TCM das Qi (die Energie/Lebenskraft). Taijiquan regt das Qi an, in den sog. Meridianen (Energieleitbahnen) zu zirkulieren und damit die Funktionsfähigkeit sowie die Vitalität des Körpers zu erhalten. Es fördert u. a. geistige Klarheit, trägt zur Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit bei, schult den Gleichgewichtssinn, dehnt sanft Sehnen und Bänder, fördert die Durchblutung und reguliert die Funktionssysteme des Organismus. Taijiquan wirkt beruhigend, entspannend, erheiterend und erfrischend zugleich und unterstützt somit das physische sowie psychische Gleichgewicht, was zu ganzheitlicher Gesundheit beiträgt.
Literatur-Empfehlungen
- Tai-Ji-Quan Yang-Stil (Taschenbuch)
von Foen Tjoeng Lie, ISBN-10: 3928288008
- Taijiquan für Einsteiger. Ein Special des Taijiquan & Qigong Journals (Taschenbuch)
von Frank Aichlseder, ISBN-10: 3980874710
¹ Die Existenz des Laotzi als einen Weisen ist bis heute nicht einwandfrei nachgewiesen. Dennoch gilt er - als Person oder auch Synonym - als Urvater des Daoismus.